SORAT Insel-Hotel Regensburg



Manufaktur J.L.L. Brandner: Geschichte des Hotelgebäudes


Die sonderbare Kulisse des Beschlächts gehört zu Regensburg wie die Domspatzen. Seit fast hundert Jahren fällt der Blick von der Stadt über die Donau unverändert auf die langgestreckte Fassade der weltbekannten Manufaktur J.L.L. Brandner. Von hier aus gingen sakrale Geräte und kunsthandwerkliche Produkte in alle Welt. Doch ist der Brandner’sche Schriftzug vom Giebel verschwunden, das denkmalgeschützte Gebäude wurde zum First Class-Hotel umgebaut. Wo damals gehämmert und gefeilt wurde und die Dampfmaschine rumorte, gehen jetzt Hotel- und Tagungsgäste ein und aus.

"Früher haben wir den herrlichen Blick auf die Stadt und den Dom gar nicht richtig wahrgenommen," stellt Fridolin Schneider heute fest. "Mein Zeichentisch stand in den vierziger Jahren genau hier am Fenster, und die Donau lag eben davor - da hat man doch nicht drüber nachgedacht!" Fridolin Schneider hat über dreißig Jahre der Firmengeschichte hautnah miterlebt und weiß mehr zu erzählen als jeder andere. Als Großneffe des Firmengründers verbrachte er seine Kindheit auf dem Manufakturgelände, zumal sein Vater seit 1924 die Geschäfte des Unternehmens führte. Weil er weiß, dass er einer der letzten Zeitzeugen ist, trägt der 74jährige derzeit auf seinem Computer alle Zeugnisse für eine Chronik zusammen.

Die Rotschmiedewerkstätten der Firma Brandner waren lange die größte und eine der bekanntesten Manufakturen für Kunsthandwerk im süddeutschen Raum. 1890 nahmen sie auf der Regensburger Donau-Insel die Produktion kirchlicher und auch profaner Geräte auf. Schon seit dem Mittelalter hatten sich auf der künstlich angelegten Insel die Wasserräder der großen Schmiedehammer in der Donauströmung gedreht. Auch die
Brandner'sche Manufaktur nutzte zunächst die Wasserkraft zum Antrieb ihrer Maschinen.

Bis zum Tode des Firmengründers Johann L.L. Brandner im Jahr 1924 verlief die Firmengeschichte sehr ruhig - und sehr erfolgreich. Seine Nachfahren wandelten die Firma in eine Aktiengesellschaft um, an der der bayerische Klerusverband die Aktienmehrheit erwarb. Ende der fünfziger Jahre arbeiteten in der Manufaktur 170 Mitarbeiter - Ziseleure, Metalldrücker, Designer, Werkzeugmacher, Gießer und andere Spezialisten.

Einen tiefen Einschnitt gab es Ende der sechziger Jahre. Nach den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils benötigten die Kirchen weniger Geräte, die Firma Brandner mußte Belegschaft abbauen. In den achtziger Jahren ging die verbliebene Produktion an die ebenfalls in Regensburg ansässige Firma Haber über. Die Fabrikgebäude auf der Donau-Insel leerten sich.

Wenn Fridolin Schneider heute durch das SORAT Insel-Hotel Regensburg spaziert, erzählt ihm jede Ecke Geschichten. Im jetzigen Innengarten spielte er als kleiner Junge Fußball und sah zu, wie die Lieferfahrzeuge entladen wurden. "In der Gießerei sind wir umeinand’ strawanzt, auf gut bayerisch gesagt, und wenn die großen Wasserräder repariert wurden, waren wir natürlich auch dabei. Bei Niedrigwasser sind wir im Mühlschuß herumgewatet - das war eigentlich verboten. Und in dem Donauarm direkt vor dem großen Fenster sind wir sogar noch nach Krebsen getaucht!"

Von 1935 bis 1938 ging Friedel Schneider in der Firma als Schlosser in die Lehre und lernte als Volontär die Gießerei und Metalldrückerei kennen. Vom Ende des Kriegs bis 1951 arbeitete er als Werkzeugmacher und immer mehr auch als Arbeitsvorbereiter für die Brandner AG. Zunehmend mußte er seinen Vater vertreten, der häufig krank war. "Wir haben damals viele Sonderanfertigungen gemacht, für Südamerika zum Beispiel spezielle Silberbögen für Beerdigungszeremonien, und einen mannshohen Corpus Christi, der fast ein Tonne wog." Der ernsthafte Chronist Schneider verschweigt, dass die Kollegen in der Gießerei den Christus respektlos "den Rückenschwimmer" tauften.

Vieles wurde auch in Serie produziert, Tabernakel, Schalen, Schmuck. "Ein flämischer Leuchter war eine Zeitlang der Renner," erinnert sich der langjährige Werkzeugmacher, der selber viele Arbeitsvorgänge rationalisierte. Er freut sich, dass kürzlich eine alte Friktionsspindelpresse in Regensburg wieder aufgetaucht ist, "eine der guten Erfindungen des Alten Herrn", wie Firmengründer J.L.L. Brandner bei den Mitarbeitern hieß. In der großen Suite 201 läßt Fridolin Schneider amüsiert seine Blicke schweifen. "Hier saßen der Designer und die Ziseleure, da war ein Arbeitstisch am anderen."

Und so geht es durch das ganze Haus. "Dort, wo heute der große Konferenzraum ist, war früher meine Schlosserei - meine Drehbank, die Werkbank, der Schleifbock, die Hobel- und die Fräsmaschine. Und die Dampfmaschine stand ungefähr hier, wo jetzt in der Hotelhalle die große Treppe hinaufführt." Anläßlich der Eröffnungsfeier des SORAT Insel-Hotel Regensburg wohnte das Ehepaar Schneider in Zimmer 301. Fridolin Schneider mochte an einen Zufall kaum glauben: "Genau von diesem Fenster aus - das war damals nur eine Dachluke - haben wir als Jungen den Zeppelin angeguckt, wie er sich zur Begrüßung von Regensburg über der Donau heruntersenkte." dass er damals vor lauter Begeisterung beinahe vom Dach stürzte, möchte er an dieser Stelle eigentlich nicht so gern veröffentlicht wissen ...

 

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